
Der INTROITUS Recordare domine testamenti tui aus der Messe gegen die Pest von 1348
(Abb. mit freundlicher Genehmigung der Staatsbibliothek Bamberg, Foto: Gerald Raab)
Neben der Pestmesse von Papst Clemens VI. gegen den ‘Schwarzen Tod’, der 1347 begann und in Europa Millionen von Menschenleben forderte stehen Kompositionen für die Pestheiligen Sebastian und Rochus. Eine Besonderheit sind auch die deutschsprachigen Lieder der Geißler, die 33 Tage auf Betfahrt gingen und sich öffentlich selbst züchtigten. Ein audio-visuelles Spektakel des Spätmittelalters. Ab dem Jahre 1348 zogen mehrere Tausend Menschen paarweise in langen Prozessionen durch die Städte und züchtigen sich auf öffentlichen Plätzen nach einem streng festgelegten Ritual mit Geißeln. Die deutschen Gesänge dieser Geißlerbewegung, hat der Chronist Hugo von Reutlingen gehört und um 1349 aufgezeichnet.
Der katholischen Kirche waren diese blutigen Bußpraktiken von Laien nicht fremd, aber als diese Bewegung aus Angst des nahen Todes durch die Pest und das zu erwartende Fegefeuer immer größer wurde, schritt Papst Clemens VI. ein. Er verfasste eine Bulle, verhängte ein Verbot gegen diese Praktiken und stellte im Jahr 1348 selbst eine offizielle „Messe gegen die Pest“ zusammen, die er Missa pro vitanda mortalitate (Messe zur Vermeidung des Todes) betitelte.
Eine Handschrift aus der Staatsbibliothek Bamberg (Msc. Lit. 15) dieser Messe wurde 1496 von einem Mönch Amandus geschrieben und eine Rubrik bezeugt dort die Missa contra mortalitates homini, fame et pestilencia (Messe gegen die Sterblichkeit der Menschen durch Hunger und Pestilenz).
Nun liegt es auf der Hand, die anarchischen Geißlergesänge der Laienbewegung und diese spezielle päpstliche Meßfeier gegen die Pest wieder zum Erklingen zu bringen.