Test Veranstaltung
30. Januar 2026, 21:00 – 22:00 Uhr
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„O heiliger Sebastian, an jedem Tag, morgens und abends, in jeder Stunde und jedem Augenblick, behüte und bewahre mich, so lange ich bei gesundem Verstand bin.
Behüte mich und bewahre vor solcher Heimsuchung mich und meine Freunde, die wir uns schuldig bekennen vor Gott, der heiligen Maria und vor dir, o frommer Märtyrer.
Du, Bürger von Mailand, kannst, wenn du willst, dieser Pest ein Ende setzen und dies bei Gott erwirken, denn wie viele wissen, hast du diese Gnade verdient.“
So lauten die ersten Strophen der Motette O sancte Sebastiane vom franko-flämischen Komponist und Musiktheoretiker Guillaume Dufay (* vor 1400 bei Cambrai; † 27. November 1474 in Cambrai), die er vermutlich 1428/29 anlässlich des Ausbruchs der Pest in Rom verfaßte.
Dieses Konzert in der Zionskirche Berlin-Mitte am Zionskirchplatz mit ausgewählten Kompositionen des 10. bis 16. Jahrhunderts richtet den Fokus auf das Leben und Wirken des Pestheiligen Sebastian, der sich im 3. Jahrhundert als hochrangiger römischer Präfekt dem Christentum zuwandte und einige seiner Offiziere und Menschen in seinem Umfeld zu der neuen Glaubensrichtung bekehrte. Sein Dienstherr, der römische Kaiser Diokletian, war erzürnt und und befahl, ihn durch das Beschießen und Durchbohren seines Körpers mit Pfeilen zu beseitigen. Er wurde wortwörtlich zu einer ‘Zielscheibe des Hasses’, starb aber nicht an dieser Peinigung, sondern wurde von Irene, der Witwe des römischen Offiziers Castulus, ein Freund und Kollege Sebastians, der wegen seines christlichen Glaubens ermordet wurde, wieder gesund gepflegt.
Sebastian sprach all den zum Christentum Bekehrten, die zu dieser Zeit wegen ihres Glaubens eingekerkert wurden, Mut zu und trat erneut Kaiser Diokletian entgegen, der ihn für tot gehalten hatte. Nachdem Sebastian ganz offensichtlich weiterhin Propaganda für das Christentum betrieb, ließ ihn der Kaiser erschlagen und seine Leiche in die cloaca maxima, den großen Abwasserkanal in Rom, werfen. Er sollte für immer verschwinden, erschien jedoch der jungen Christin Lucina im Traum und teilte ihr den Ort mit, wo sein Leichnam angeschwemmt worden war. Sie holte den Leichnam heraus und bestattete ihn im Coemeterium ad catacumbas an der Via Appia – heute die Katakomben des Hl. Sebastian – wo eine Zeit lang auch Petrus und Paulus verehrt wurden.
Sebastians Verehrung beginnt im 6. Jahrhundert in Ravenna mit Mosaiken sowie in Spanien und Nordafrika. Eine Pestepidemie in Pavia im Jahr 680 soll auf wundersame Weise erloschen sein, nachdem man seine Reliquien dorthin brachte und durch die Straßen trug. Danach wurde Sebastian in Pestzeiten immer wieder angerufen in der Hoffnung, daß er sich bei Gott für eine schnelle Beendigung der Plage einsetzt.